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Leichersager Marie

 

Auf den Bauernhöfen und in den Weilern um Weingarten war man früher darauf bedacht, rechtzeitig zu erfahren, wenn in Weingarten jemand, den man gut kannte, verstorben war. Vielleicht musste man dann auch zur „Leich“. Noch um die Jahrhundertwende wurde nicht auf allen Bauernhöfen eine Tageszeitung gehalten und gelesen. Nachrichten über eingetretene Todesfälle wurden jeweils von den so genannten Leichensagerinnen bis in das letzte Bauernhaus hinausgetragen.

 

Am bekanntesten war Maria Kesenheimer. Im Volksmund sprach man nur von der Leichensager Marie; im Adressbuch von 1927 wird sie als “Leichensagerin” genannt. Kam nun in der Stadt ein Todesfall vor, ging die Marie im Sommer wie im Winter hinaus auf die Höfe, um von Haus zu Haus die “Leich” anzusagen. Sie schob immer einen alten Kinderwagen vor sich her, um das “Vergelt´s Gott” einzusammeln. Für das Überbringen der Todesnachricht und für die Einladung zur Teilnahme an der Beerdigung erhielt die Leichensagerin jeweils ein kleines Geschenk als “Vergelt´s Gott”.

Je nachdem, wie das “Vergelt´s Gott” ausgefallen war, lachte oder “bruttelte” die Marie bis zum nächsten Bauernhof.

Hatte sich das Ansagen der Leich gelohnt, konnte es sein, dass sie den Kinderwagen beim Zunachten singend nach Hause schob.