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Der Bock

 

 

Die erhaltenen Aufzeichnungen der Fasnet in Weingarten beginnen in den 20er Jahren

des 20. Jahrhunderts. Damals war die Stadt in der Fasnetszeit aufgeteilt in Oberstadt und Unterstadt. In der Oberstadt wurde ein eigener Bürgermeister gewählt der am gumpigen Donnerstag der Tagung des Oberstadtgemeinderats vorstand.

Regelmäßig fanden Umzüge statt, an denen die ganze Oberstadtbevölkerung teil-nahm.

Diese Umzüge standen dann auch unter dem Motto “De ganz Lange Lache, macht mit”, denn durch die Lange Lache, das ist der ehemalige Namen der Wolfeggerstrasse in der Oberstadt, führten die Umzüge am Fasnets-sonntag. Diese Oberstadtfasnet soll nach Erzählungen ein richtiges Narrenkuriosum gewesen sein.


Um in die heutige Weingärtner Fasnet und Ihre Figuren einzusteigen, muss man in der Geschichte des Ortes weit zurückgehen.

Das Gewerbe des Fleckens bot ein buntes Bild. Besonders zahlreich waren Wirte, Bäcker und Metzger. Neben der Bruderschaft der “Meyer” (Bauern) gab es im 15. Jahrhundert bereits die Zünfte der Weber und Schneider. Diese benötigten Fasern aus Hanf und Flachs. Hatte man die Stängel von Hanf und Flachs 10 - 20 Tage eingeweicht, wurden sie auf der Hanfhalde (südlicher Hang des Kloster-berges) und auf der Knappenwiese (bei der Hefefabrik) gedörrt. Die holzigen Stängel wurden dann auf dem Brechstuhl oder auch im Hanfstampf gebrochen. Im Hanfstampf wurde ein größerer, senkrecht stehender Balken mit stumpfer Spitze am unteren Ende durch die Kraft eines Wasserrades in die Höhe gehoben, um alsbald auf dem unter ihm ausgebreiteten Hanf wie ein “Bock” zu stoßen und die harten Rinden von den Hanffäden zu lösen.

Der Name Bock wurde früher anders übersetzt, “bok” bedeutete schlagen. Ein solcher “Bock” in einem Stall am Mühlbach hat vermutlich der Halde über der Hefefabrik bis zum Wald den Namen “Bockstall” gegeben.


In der Oberstadt in Weingarten wurde im 16. Jahrhundert ebenfalls Flachs auf einem hölzernen Bock aus Rinde geschlagen. Um das Ganze witterungsbeständig zu machen, wurde ein Stall über den Bock gebaut. Dieses ganze Flurteil nannte man Bockstall. Diesen Namen hat jener Flurteil von Weingarten bis heute behalten.
Da in Altdorf - Weingarten die älteste Viehzucht die Schafzucht war, und diese Schafzucht auf dem Flurgebiet “Bockstall” betrieben wurde, hat der Narrenverein dieses Tier zur Verkörperung des “Bockes aus Holz” in eine Narrenfigur umgesetzt. (Maske von Theo Lehenberger entworfen).